AWN-Historie

Geschichte

 

Vom Hamburger Eisenwarenhandel zum größten Yachtausrüster Europas

Wohl kaum ein anderer Ausrüster in Deutschland kann auf eine fast 275-jährige Geschichte zurückblicken. Was 1745 als Eisenwarenhandel am Hamburger Rödingsmarkt begann, ist heute eine der bekanntesten Adressen für Wassersportler im deutschsprachigen Raum mit insgesamt acht Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit rund 150 Mitarbeitern.

Gründer des Unternehmens war Johann Daniel Wuppermann, der mit seinem Eisenwarenhandel Hamburger Handwerksbetriebe, Schiffszimmerleute und Segelmacher belieferte und eine Schmiede vor den Toren der Stadt betrieb. Er stammte aus der Nähe von Wuppertal und hatte sich in der Hansestadt niedergelassen. Zu den Zeiten der großen Frachtsegel-Flotten, die Güter in der Hansestadt umschlugen und den zahllosen Lastkähnen, die sie über die Kanäle in der Stadt verteilten, wuchs das Geschäft stetig. 1779 kam Wuppermanns Schwiegersohn als Partner in die Firma, die dann in Wuppermann & Schmilinsky umbenannt wurde.

Geschichte

 

Wie A.W. Niemeyer zu seinem Namen kam

Mehrere Generationen lang blieb der Familienbetrieb auf Erfolgskurs, bis in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die einsetzende Industrialisierung eine Konzentration des Unternehmens auf die Belieferung der Werften erforderte. Zu dieser Zeit kam AWN auch durch einen Besitzerwechsel zu seinem heutigen Namen: 1862 übernahm der Hamburger Kaufmann Amandus Wilhelm Niemeyer die Firma und bekannte sie in „A.W. Niemeyer, Wuppermann & Schmilinsky Nachfolger“ um. In Zeiten des Booms der Hansestadt, die von 1870-1895 ihre Einwohnerzahl durch den Zuzug von Industriearbeitern auf 650.000 verdoppelte, konzentrierte sich AWN nun schwerpunktmäßig auf die Ausrüstung der Segel- und später der aufkommenden Dampfschiffe im Hamburger Hafen. Schnell stieg das Unternehmen zum international bedeutendsten Ausrüster Hamburgs auf. Um dem rasch wachsenden Geschäft Raum zugeben, entstand 1908 bis 1910 eine neue, neunstöckige Firmenzentrale am Rödingsmarkt, damals ein architektonisches Glanzstück.

Geschichte

 

Vom Fallen und Wieder-Aufstehen: Die Kriegsjahre

Nur wenige Jahre später setzte der erste Weltkrieg und die folgende, schwere Weltwirtschaftskrise der Erfolgsgeschichte einen markanten Dämpfer.
Doch nach Kriegsende ging es rasch wieder zurück auf die Erfolgsspur. Es gelang den Hamburgern neue Aufträge für wichtige Schiffsneubauten der damaligen Zeit zu bekommen, darunter mondäne Luxusyachten wie die „Savarona“, große und prestigeträchtige Passagierdampfer wie die „Cap Arcona“, Walfänger und viele mehr. Erst der Beginn des zweiten Weltkriegs brachte eine erneute Zäsur. An seinem Ende 1945 lagen weite Teile Hamburgs in Trümmern, so auch der Rödingsmarkt und die Gebäude von A.W. Niemeyer. Erneut erhob sich das Unternehmen mit seinen Mitarbeitern aus den Ruinen. Die zerstörte Zentrale wurde wiederaufgebaut und mit dem sogenannten Wirtschaftswunder kehrte auch AWN auf die Erfolgsspur zurück. Niemeyer wird Ausrüster der stetig wachsenden Schiffsflotten, die die Güter der sprunghaft wachsenden Weltwirtschaft transportieren, darunter auch die ersten großen Öltanker.
Zeitgleich entsteht ein ganz neuer Markt: das Geschäft mit privaten Yachten und Booten in Deutschland boomt. Ab 1960 erkennt Gert Niemeyer, ein Enkel von Gründer Amandus Wilhelm, das Potential dieses Marktes und konzentriert den Focus der Firma auf diese dynamische Zielgruppe. So wird der Name AWN nach der Berufsschifffahrt nun unter den Hobby-Skippern zum Inbegriff für Yacht- und Bootszubehör und Sicherheit auf See durch hervorragende Qualität.

Geschichte

 

Die Boomjahre: Wassersport wird zum Massenmarkt

In den nächsten Jahrzehnten wird dieser Kurs durch Firmenübernahmen konsequent ausgebaut: 1970 wird der Hamburger Rigg- und Beschlags-Spezialist HSB übernommen, wenig später der Maschinenbauer Bösch. Nun wurde Ausrüstung nicht nur gehandelt, sondern auch selbst produziert. 1973 wechselten erneut die Besitzverhältnisse: Der Hamburger Unternehmer Peter Flammang erwirbt AWN, nachdem der damalige Besitzer aus Altergründen ausscheiden wollte. Flammang, der aus dem internationalen Geschäft mit Schiffsneubauten und Reparaturen kommt, erkennt das Potential der jungen Wassersportbranche und bringt den allerersten Versandkatalog von Niemeyer mit dem einfachen aber genialen Titel „Der Ausrüster“ auf den Markt.
Neben Ausrüstung bot das Unternehmen schon damals auf dem Titel auch technischen Service rund ums Boot an, etwa Takelarbeiten oder Außenborder-Service. In den folgenden Jahren wurde der Katalog mit rund 14.000 Artikeln zum inoffiziellen Nachschlagwerk für zahllose Wassersportler in Deutschland. Der Satz „Wenn's der Niemeyer nicht hat, gibt's das nicht!“, machte an Stegen und in Winterlagern die Runde. Das Werk wurde zum kompetenten Ratgeber für Segler und Motorbootfahrer zugleich, da es praktisch das gesamte Sortiment für den Wassersportsektor umfasste.
In den nächsten Jahren wurde der Expansionskurs konsequent fortgesetzt: 1998 eröffnet die erste Filiale in Kiel, nachdem das dortige Traditionsunternehmen Robert G. Ernst übernommen wurde. 1990 folgte mit dem Kauf des „Hauses für Wassersport Neptun“ in Berlin nach dem Mauerfall der erste Schritt in den Osten Deutschlands.

Geschichte

1992 wurde im Hamburger Holstenkamp ein neues Logistik-Zentrum eröffnet, das in der Lage war, 2000 Sendungen pro Tag an Kunden in ganz Europa zu versenden.

Im Jahr 1999 folgte eine räumliche Zäsur: Nach über 250 Jahren am Rödingsmarkt musste A.W. Niemeyer aus Platzgründen in neue Räumlichkeiten umziehen. Peter Flammang baut den neuen Firmensitz in Hamburg-Bahrenfeld, in dem das Unternehmen noch heute zu Hause ist. 2001 wird dort auf über 2500 Quadratmetern der „Flagship-Store“ eröffnet, der modernen Kundenansprüchen genügen soll. Zeitgleich beginnt ein massiver Ausbau des Filialnetzes, um flächendeckend die Kunden zu erreichen. Die Dienstleistungen rund ums Boot wurden deutlich erweitert: Neben Takelarbeiten, sind nun auch Segelreparaturen, die Wartung von Rettungswesten und -Inseln sowie eine Skipperakademie mit Führerscheinkursen und Fortbildungen Teil des AWN-Angebotes.

Mit dem Umzug verbindet sich eine erneuter Eigentümerwechsel: Peter Flammang verkauft AWN an Christoph Kroschke, Inhaber der Kroschke-Gruppe aus Ahrensburg. Zugleich übergibt er die Geschicke als Geschäftsführer an den Hamburger Kaufmann Michael Ortmüller, der Minderheitsgesellschafter wird. Nach einem Sanierungskurs und konsequenten Ausbau des Internet-Geschäfts kommt AWN nach kurzer Neuorientierung wieder auf Kurs.

Und erneut beginnt eine Phase des Wachstums: In kurzer Folge werden neue Filialen in ganz Deutschland eröffnet und mit Standorten in Österreich und der Schweiz macht die Marke den Schritt ins Ausland. AWN wird zum unangefochtenen Marktführer unter den Yacht- und Bootsausrüstern.

 

Kurs auf internationale Gewässer

Nach dem altersbedingten Rückzug von Michael Ortmüller übernimmt Christian Hofmann im September 2013 das Ruder als geschäftsführender Gesellschafter beim Hamburger Traditionsausrüster. Und wieder soll der Wechsel an der Spitze eine neue Ära einläuten: Die weitere Internationalisierung des Unternehmens soll vorangetrieben werden. Ein Baustein in dieser Strategie wird auch die Erschließung eines ganz neuen Geschäftsfeldes sein: AWN steigt mit einer eigenen Sparte in das Charter-Geschäft über den Partner Charterfirma Sun Charter ein.

 

Digitalisierung wird angesteuert

Anfang 2018 kam als neuer Gesellschafter der Digitalisierungsexperte Hanse Ventures mit ans AWN Bord, um den digitalen Ausbau mit ihrer Expertise voranzutreiben. Ein paar Monate später bekam die Geschäftsführung mit Stefan Dreyer Verstärkung. Christian Hofmann verlässt die Geschäftsführung im Dezember 2018. Im Januar 2019 steigt Stefan Endriß in die Geschäftsführung ein. AWN ist zwar ein Traditionsunternehmen, das sich immer im Wandel befindet.